Ein Wahrzeichen mit Millionenpublikum verlangt Facility Management auf Spitzenniveau. Im Herbst 2024 sanierte die 3KER RAS GROUP, ein Tochterunternehmen der Piepenbrock Unternehmensgruppe, im Auftrag des Staatlichen Bauamts Kempten die Dachgauben von Schloss Neuschwanstein. Geschäftsführer Martin Semmel und Projektleiter Christoph Heydrich über anspruchsvolle Arbeiten zwischen Denkmalschutz, Sicherheit und laufendem Besucherverkehr.
FM mittendrin – Teil 3: Wenn Denkmalschutz und anspruchsvolle Einsatzbedingungen zusammenkommen
Wie kommt ein FM-Spezialist an ein Projekt wie Neuschwanstein?
Martin Semmel: Das Staatliche Bauamt Kempten hat uns mit der Sanierung der 26 Dachgauben beauftragt. Unsere Teams sind auf Arbeiten an schwer zugänglichen Bauwerken spezialisiert. Das passt zu einem steilen Blechdach in exponierter Lage.
Was macht die Arbeiten technisch besonders?
Martin Semmel: Das Dach hat eine Steigung von über 45 Grad. Man kann dort nicht stehen. Die Sicherung erfolgte innen am robusten Dachstuhl. In Kletterausrüstung hängten sich unsere Industriekletterer zu den Gauben hinaus. Für einen stabilen Stand bauten sie sich stabile Tritte mit Klemmen und Hölzern. Sicherheit und definierte Arbeitspositionen sind dabei das A und O.
Wie bringen Sie Denkmalschutz und moderne FM-Standards zusammen?
Martin Semmel: Am Schloss Neuschwanstein haben wir zuerst damit begonnen: alter Anstrich runter, Untergrund bewerten, Schäden dokumentieren. Danach haben wir jede Maßnahme mit der Fachbauleitung und dem Bauamt abgestimmt. Dabei stellte sich die Frage: ausbessern oder im aktuellen Zustand erhalten? Für die Instandhaltung nutzen wir für die Beschichtung Leinölfarbe mit definierten Trocknungszeiten zwischen den Schichten. So bleibt die historische Substanz erhalten, und die Ausführung ist zugleich langlebig.
Wie organisiert man den Ablauf bei vollem Besucherbetrieb und wie muss die Sicherheit der Mitarbeitenden organisiert sein?
Christoph Heydrich: Wir sperren Bereiche unterhalb der Arbeitszonen temporär und legen sensible Schritte unserer Arbeiten außerhalb der Besucherzeiten. Für alle Arbeiten stehen unsere Industriekletterer miteinander im Blick- und Rufkontakt. Die Verständigung läuft zudem über ein Funkgerät. Unser Rettungskonzept ist klar definiert, bis zur gesicherten Abseilung und Übergabe eines Verletzten an den Rettungsdienst. Ganz wichtig: Unser Team bleibt fokussiert, egal, wie viele Menschen zuschauen und filmen.
Welche Leistungen stecken konkret in der Gaubensanierung?
Martin Semmel: Schleifen, Holzschäden beurteilen, partielle Instandsetzung, Grundieren und drei Deckanstriche. Neben ausreichender Trocknungszeit sind Wetterfenster entscheidend: Bei starkem Regen können wir nicht streichen. Insgesamt haben wir am Schloss Neuschwanstein rund 560 Arbeitsstunden investiert.
Ein besonderer persönlicher Moment, der für die Kollegen bleibt?
Christoph Heydrich: Die Kollegen sind sich einig: Frühmorgens am Seil, klare Luft, Blick über die Alpen, einfach eindrucksvoll. Die Arbeit ist körperlich fordernd, aber die Perspektive macht’s wett.
Welche Rolle spielt Vernetzung über gefma bei solchen Arbeiten?
Martin Semmel: Eine sehr große. Bei Projekten dieser Komplexität sind Know-how und Erfahrung der entscheidende Faktor. Die gefma-Richtlinien bieten uns dabei wertvolle Leitplanken. Sie bündeln das Wissen vieler Experten und machen es für die Praxis anwendbar. Diese Standards helfen uns, Prozesse zu strukturieren, Qualität messbar zu machen und Sicherheit auf höchstem Niveau zu gewährleisten. Der kontinuierliche Wissenstransfer in der gefma-Community sorgt zudem dafür, dass auch erfahrene Profis immer weiter dazulernen und genau das macht den Unterschied, wenn es um Perfektion im Facility Management geht.



























































































