In dieser neuen Serie zeigt gefma, wie Facility Management den reibungslosen Betrieb außergewöhnlicher Gebäude sicherstellt. Wir beleuchten die speziellen Herausforderungen ikonischer Immobilien und die Menschen, die sie meistern. So entsteht ein facettenreicher Einblick in die Vielfalt und Relevanz des Facility Managements.
In unserer ersten Episode erklärt Sebastian Macho, Vorstandsmitglied des Kloster Eberbach, wie ein geschichtsträchtiges Bauwerk wie das Kloster Eberbach mit modernem Facility Management bewahrt, betrieben und zugleich für die Zukunft vorbereitet wird
FM mittendrin – Teil 1: Nachhaltigkeit trifft Geschichte
Herr Macho, wie nähert man sich einer jahrhundertealten Klosteranlage aus Sicht des modernen Facility Managements?
Wir nähern uns der fast 900 Jahre alten Klosteranlage, indem wir versuchen, die Perspektive der Zisterziensermönche einzunehmen. Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit spielen dabei eine zentrale Rolle. Übertragen auf moderne FM-Strukturen bedeutet das konkret: Wir verfolgen eine proaktive Instandhaltungsstrategie, um Schäden an Baukonstruktionen und technischen Anlagen frühzeitig zu erkennen und zu beheben, damit die historische Substanz bewahrt bleibt.
Welche Maßnahmen setzen Sie um, um das Kloster nachhaltig zu betreiben, trotz seiner Bauweise und Geschichte?
Eigentlich setzen wir Maßnahmen zur Nachhaltigkeit gerade wegen der besonderen Bauweise und Geschichte um. Blickt man ins 12. Jahrhundert zurück, so wurden zu dieser Zeit ausschließlich Materialien aus der unmittelbaren Umgebung verwendet. Kalk, Stroh, Lehm, Holz und Stein haben Gebäude entstehen lassen, die fast 900 Jahre überdauert haben und im Idealfall weitere 900 Jahre bestehen. Die damals also bereits sehr hohe Baukompetenz nutzen wir auch heute noch bei Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen.
Bei der Baukonstruktion liegt der Schwerpunkt auf Konservieren und Restaurieren, weniger auf Sanieren. Technisch geht es uns gleichzeitig darum, die bestmögliche Infrastruktur in den historischen Gemäuern bereitzustellen, etwa Strom, Starkstrom, LAN und WLAN für Filmaufnahmen, Konzerte, Seminare oder Tagungen. Das erfordert kreative Lösungen, da die historische Substanz unangetastet bleiben muss. Ein Beispiel: Im Zuge der Basilika-Sanierung haben wir Fallrohre an der Fassade installiert, durch die Kabel ins Dachgeschoss geführt werden konnten. Zunehmend an Bedeutung gewinnt auch der Einsatz regenerativer Energien.
Gibt es besondere technische Lösungen, die Altes bewahren und gleichzeitig Neues ermöglichen?
Ja, eine ganze Reihe. Sie reichen von Gebäudeleittechnik und CAFM-Systemen bis zur Umstellung auf LED-Leuchten und Präsenzmelder in öffentlichen Bereichen. Über unser Energiemanagementsystem sind sämtliche Strom- und Wärmemengenzähler mit dem CAFM-System verknüpft. Alle 15 Minuten erhalten wir Daten der jeweiligen Gebäude und können so Grund- und Spitzenlasten auswerten. Auf dieser Basis werden Effizienzmaßnahmen beschlossen und umgesetzt.
Ein Beispiel dafür ist die Installation smarter Thermostate, die Raumbelegungen erkennen und mit unserer Veranstaltungssoftware gekoppelt sind. So wissen die Thermostate, wann eine Veranstaltung beginnt und endet und heizen bedarfsgerecht. Grundsätzlich gilt: Technische Lösungen sind möglich, solange sie dem Kriterium der Reversibilität genügen.
Welche Rolle spielt das FM-Team dabei, diese Kulturimmobilie für Veranstaltungen und Besucher nutzbar zu machen?
Eine zentrale. Schon unsere Satzung stellt klar, dass die Pflege und Instandhaltung des Ensembles oberste Priorität haben. Anders als in vielen anderen Liegenschaften ist Facility Management bei uns kein Sekundär-, sondern ein Primärprozess.
Bei Sanierungsprojekten rücken wir die Besucherinnen und Besucher in den Mittelpunkt. Mit dem Projektteam beraten wir über Verbesserungen, die den Aufenthalt attraktiver machen, sei es durch das Öffnen bislang verschlossener Räume oder die bereits angesprochene Bereitstellung notwendiger Infrastruktur.
Was fasziniert Sie persönlich am Betrieb dieses besonderen Ortes?
Die Faszination liegt darin, ein historisches Ensemble managen und kleine Fußspuren in einer 900-jährigen Geschichte hinterlassen zu dürfen. Durch die Größe und Komplexität der Liegenschaft durchlaufen wir permanent alle Lebenszyklusphasen: morgens Planungsbesprechung für ein Sanierungsprojekt, mittags Instandhaltung der Heizungsanlage, abends Konzeption einer Bedarfsbeschreibung für eine Sanierung in fünf Jahren. Ein Glück bleibt uns nur der letzte Schritt im Zyklus erspart: der Abriss.
Warum ist es gerade bei historischen Immobilien wichtig, auf das Fachwissen und Netzwerk von gefma zuzugreifen?
gefma ist für uns der ideale Anlaufpunkt, weil hier gebündeltes Expertenwissen in vielen Bereichen vorhanden ist, von Betreiberverantwortung über Prozesse bis zu neuen technischen Entwicklungen. Der Austausch mit Profis bereichert immer. Mit Blick auf kommende Technologien, etwa im Bereich Künstliche Intelligenz, sind Trends und Zukunftsszenarien besonders wertvoll. Denn hier trifft jahrhundertealte Bausubstanz auf hochmoderne Technik.



















































































